Überraschende Zusagen für Ostprignitz-Ruppin

Holzhausen, den 10.04.2015

Mit zusätzlich 100 Millionen Euro will die rot-rote Landesregierung bis 2019 die maroden Landesstraßen in den Ortsdurchfahrten der Brandenburger Gemeinden sanieren. Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) stellte am Freitag die Liste der Baumaßnahmen vor. Für Ostprignitz-Ruppin gab es vier überraschende Zusagen.

 

Neuruppin. Im ersten Moment weiß Rägelins Ortsvorsteherin Gabriela Wäbersky nicht, was sie sagen soll. Seit Jahren kämpfen die Rägeliner gegen den unerträglichen Verkehrslärm an der Landesstraße in ihrem Dorf. Bislang vergeblich. Jetzt soll die Ortsdurchfahrt endlich ausgebaut werden. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider hat das am Freitag zugesagt. Gabriela Wäbersky hofft, dass die unmittelbaren Anwohner damit endlich wieder besser schlafen können: „Das wäre wirklich schön.“

Rägelin gehört zu dem 100-Millionen-Euro-Programm, das vom Ministerium jetzt für besonders marode Ortsdurchfahrten an Landesstraßen aufgelegt wird. Bis 2019 sollen damit brandenburgweit 70 Ortsdurchfahrten saniert werden. Aus dem Kreis Ostprignitz-Ruppin stehen vier auf der Liste, aus der Prignitz keine.

Rägelin gehört dazu. Knapp 2000 Autos fahren laut offizieller Zählung jeden Tag durch den Ort. Insbesondere nachts kommen Dutzende Laster mit klappernden Containern dazu. Die benutzen die Landesstraße, um die Autobahnmaut zu sparen. Rägelins Ortsdurchfahrt gehört offiziell zur Umleitungsstrecke, wenn auf der Autobahn mal wieder Stau herrscht. Das ist ein Grund, dass sie endlich saniert werden soll.

Etwas Geduld brauchen die Rägeliner aber noch. Nach der am Freitag veröffentlichten Liste des Landesbetriebs für Straßenwesen soll der Ausbau 2018 beginnen.

Die anderen drei Vorhaben in Ostprignitz-Ruppin sind früher an der Reihe. Schon in diesem Herbst soll der Ausbau der Ortsdurchfahrt von Schweinrich starten. Das hatte die Ministerin zwar Ende 2014 schon im Landtag angekündigt. Doch die Schweinricher blieben skeptisch. Seit Freitag gibt es die Zusage erneut schriftlich.

Ab 2016 soll dann in Holzhausen bei Kyritz gebaut werden. Seit zehn Jahren wird den Holzhausenern immer wieder versprochen, dass sich an ihrer Straße etwas tut; den vagen Zusagen vertraut dort niemand mehr. Für den 23. April ist jetzt eine große Protestveranstaltung geplant. Ob der Plan, den Verkehrsministerin Schneider nun vorstellte, die Holzhausener beruhigen kann, ist offen.

Viertes Vorhaben ist Dreetz. Auch dort soll die Ortsdurchfahrt saniert werden – ab 2017.

Johannes Oblaski von der „Bürgerinitiative gegen den Mautausweichverkehr“ in Rägelin wurde von der Ankündigung des Landes ganz überrascht. „Das ist super“, fand er spontan, warnte aber vor zu großen Hoffnungen: „Für die Anwohner bringt das sicher etwas Beruhigung.“ Grundsätzlich könnte der bessere Zustand der Ortsdurchfahrt das Problem aber sogar noch verschärfen, fürchtet er: Bessere Straßen ziehen eher noch mehr Verkehr an. Die Bürgerinitiative kämpft deshalb auch weniger für den Ausbau der Landesstraße, sondern ganz entschieden gegen die Lastwagen, die die Strecke nutzen, um Maut zu sparen. „Ein Nachtfahrverbot ist das Mindeste, was wir wollen“, sagt Oblaski. Das könnte auf einer sanierten Ortsdurchfahrt noch schwerer durchzusetzen sein als bisher schon.

 

Quelle: www.maz-online.de